der angetrunkene Sonntag

Wenn ich um 16 Uhr an einem Sonntag angetrunken bin, dann ist das kein gutes Zeichen.

Wenn ich keinen Sehen und Hören will, wenn ich stiller werde, wird es gefährlich.

Und dennoch sitze ich hier. Ich mache nichts böses, weil ich weiß, dass ich gebraucht werde.

Dennoch ist es so schwer erträglich. Zu wissen, dass ich Hilfe bräuchte, aber mein Kopf sagt: Geheimnisse darf ich nicht verraten. Und es war eh nie etwas.

Mal sehen, wie ich morgen aufwache.

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Alkohol – lass mich gehen

Gehen? Flüchten?

Geht nicht! Er begegnet uns doch überall.

Der nette Rotweinkuchen auf dem Tisch, die Rumpralinen beim Bäcker… oder darfs auf dem Weihnachtsmarkt etwas Glühwein sein? Oder ein herrlich leckerer Lumumba? Der wärmt so schon.

Das alles sind Dinge, denen ich bewusst „nein“ sagen kann und sollte.

Sollte? Ja, ich bin Borderliner. Ja, ich habe ein ausgeprägtes Suchtverhalten und bis mein Therapeut mir sagte, wenn ich 6 Wochen nichts trinke, hatte ich auch keine Probleme.

Probleme mit Alkohol? ne, nur ohne

Aber ok, er sagte mir, 6 Wochen ohne Alkohol und ich bekäme einen Therapieplatz. Supi, das schaff ich locker. Challange accepted, denn ich hab ja keine Probleme. Bis dato hatte ich selbstverständlich keine. Aber dann kamen sie.  Ich konnte wieder nicht schlafen. Ich konnte meine Emotionen nicht wegtrinken, sondern verletzte mich, weil ich sie nicht ertrug.

Aber diese zitternden Hände, diese Übelkeit. Bis dahin hatte ich echt keine Probleme, hatte ich mir gesagt.

Nun ja ok, ein Leben ohne Alkohol geht an sich ja ganz gut, wenn der Freundeskreis respektiert, dass man nicht trinkt. Wenn man eh mit dem Auto da ist, ist auch das eine manchmal notwendige Ausrede.

Aber ganz ehrlich? Wenn ich mies geschlafen habe, Samstag Mittag dann durch die Stadt gehe und im Supermarkt an der Kasse warte. Wenn ich genervt und gestresst bin von zu vielen Menschen, die die Individualdistanz nie begriffen haben …

Genau dann steht er wieder hinter dir. Der Mann zwischen 20 und 50 Jahren, der sich nicht all zu oft wäscht und der bis auf 20cm an dich heran kommt. Aufs Band legt er dann 2-3 Flaschen Bier, die er sich nun gönnt und seine ganze Kleidung, seine Haut, jede Pore riecht nach Alkohol. Und dann atmet dieser Mensch noch aus, mitten in dein Gesicht.

Ekelig. Er ist mir zu nah. Da meldet sich mein Trauma wieder. Ich will einfach da weg. Doch es geht nicht. Ich muss warten und zittere vor mich hin. Hoffentlich merkt es niemand.

Ich versuche, Abstand zu schaffen, schaue durchs Regal und dann lächeln sie mich an, diese kleinen Fläschchen mit dem tollen Zeug, was mich sofort aus dieser Welt retten würde.

Schweißgebadet verlasse ich dann irgendwann die Kasse und sage mir, er kam mir nur zu nah, sonst hätte ich kein Problem.