Wenn das Leben eine Qual ist

Als kleines Kind war die Normalität für mich etwas völlig anderes als das, wie man beschreiben würde, wie ein Kind aufwuchs.

Man fragte nicht, warum das nicht mal 10-jährige Mädchen ungerne zuhause war. Man fragte auch nicht, wo es denn war, denn irgendwo würde es schon sein. Merkte jemand, dass sie geschlagen wurde, dass sie Liebe machen musste, dass sie zum Essen gezwungen wurde oder sich verletzte?

Man fragte auch nicht, was mit dieser nicht mal 20-jährigen Frau los war, warum sie nicht zur Schule wollte, die Noten schlechter wurden, sie sich im Zimmer einschloss und heimlich ihr Essen erbrach. Nein, man merkte es ja nicht mal. Dass sie betrunken irgendwo lag? Freunde wissen es, ja. Aber die Familie hat es nie interessiert.

Man fragte auch nie, warum man die nicht mal 30-jährige Frau nie im Bikini sähe, warum sie sich verschließt, warum sie introvertiert ist. Man sah nie, was das diese Frau für Kraft kostete … und wie sie litt.

 

Fragen ist blöd, wenn man die Antworten eh nicht hören mag, oder?

Die 3 Jahrzehnte wurde nie gefragt, immer wurde vorausgesetzt, angenommen, vermutet.

 

Diagnosen? Braucht niemand wissen, man hätte mich ja fragen können. Ob ich noch Kraft zum Leben habe? Man geht davon aus, dass ich sie natürlich habe.

 

Und innerlich geht noch mehr kaputt und man lebt nur noch, um niemanden zu verletzen, der einen auf seine Art mag.

 

(Und während der Beitrag online geht, sitze ich bei meinem Therapeuten, sage ihm, wie scheiße schwer das Leben ist … und er wird nicken und mir sagen, dass ich so vieles geschafft habe und auch das schaffe.)

 

Nur das WIE sagt er mir nicht, weil es niemand weiß.

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Von Flüchtlingen, Krieg und Ängsten

Freitag Nachmittag war es soweit … hm nein, eigentlich ging es mir schon vorher auf den Sack.

Immer mehr Leute, die gegen Flüchtlinge hetzen.

„Sie nehmen uns Jobs weg“ … ähm sorry, aber es wird vermutlich niemand gekündigt, weil dafür ein schlechter qualifizierter Flüchtling ohne Deutschkentnisse eingestellt wird. Entweder passt etwas mit eurer Qualifikation nicht oder ihr hattet aus anderen Gründen vermutlich keinen Job? Da kann ein Mensch, der sein Leben aufs Spiel setzt, weil sein Leben in seiner Heimat in Gefahr ist, sowieso nichts für.

„Es kommen Terroristen hierher“ … ok, Freitag hätte ich da noch anders argumentiert, nun ist es ja leider aktueller … ich wüsste momentan von einem der Attentäter, der wohl über Griechenland im Sommer nach Europa gekommen ist. Einige der Beteiligten dagegen kommen augenscheinlich aus Belgien, aus Molenbeek. Und selbst wenn der eine, vielleicht wirds auch nen zweiten geben, mit den Flüchtlingen rüber gekommen ist, hätte er es auch auf anderem Wege geschafft. Und der Großteil derjenigen, die zu uns kommen, flüchten vor solchen Anschlägen, wie sie in Paris passiert sind, oder in Beirut, wovon leider die wenigsten sprechen. Die Flüchtlinge haben Horror erlebt, der vielfach so schlimm ist, wie in Paris.

Doch warum nimmt uns Paris mehr mit? Natürlich sind wir den Europäern näher, bekommen es mehr mit, wir merken nun, wie das ist, was sonst so fern erscheint. Wir haben Mitleid mit den Parisern, Franzosen, haben vielleicht sogar selbst Angehörige oder Freunde dort verloren.

Aber zeigt es nicht, wie nah wir Menschen doch beieinander sind? Egal ob Beirut, Paris oder eine der zahlreichen anderen Städte, wir verlieren alle durch die Glaubenskriege Menschen, die wir lieben; und vor allem unser angstfreies Leben.

Es kann überall passieren, weshalb es wichtig ist, zusammen zu rücken und zu leben.

PS: Das soll nun kein politischer Blog werden. Unter tagesschau.de findet sich z.B. nen Liveblog; wir haben genug Medien, die mehr Fakten liefern, mehr Hintergrundwissen haben, als ich es je haben werde.

Doch ich finde, es geht uns alle an. Und ich als Mensch habe das Bedürfnis, hier auszuschreiben, was mich so beschäftigt.

Anbei noch ein Link zu einem Song, den ich enorm wichtig finde, gerade auf nationaler Basis.

Die toten Hosen – Willkommen in Deutschland

Der Tod und das Leben

Tja, wie das so ist.

Das Blogthema für den heutigen Tag ist geplant und schwups, kommt das Leben dazwischen.

So viel „Tod“ und „Sterben“ war heute im TV Thema, so dass ich finde, warum nicht direkt jetzt.

Jeder von uns hat schon sicherlich Menschen verloren, was ihnen sehr weh tat, wie auch ich. Meine Großeltern sind großteils gestorben zum Beispiel, aber es gibt eine Sache, die viel mehr weh tat und immer noch weh tut.

Ich war knapp 18, es war eine schwierige Zeit. Borderlinetypisch gab es bei mir viele Partys, Alkohol, Männer, … alles, was mir schadete.

Und es gab ihn. Diesen jungen Mann, der anders war; einen Mann, der wenig sprach, aber dem ich durch Blicke so nah war, wie sonst keinem Menschen. Wir verstanden uns schweigend – dachte ich zumindest, denn in all dieser Zeit gab es etwas, was ich nicht verstand.

Gab es ihn, diesen Hilferuf? Hab ich ihn nur nicht gehört? Oder wollte er mich damit nicht belasten?

Zumindest hörte ich nie wieder etwas von ihm – und erdrückende Monate später erfuhr ich es. Er hatte sich das Leben genommen.

Wie steht man am Grab eines Menschen, der einen so bitter enttäuscht hat? Der einen allein gelassen hat? Der jemanden zurück gelassen hat?

Selbstmord ist genau deshalb so böse, weil man Menschen zurück lässt, die einen vermissen, sich Vorwürfe machen, die weiter leben müssen.

Und so habe ich ihm irgendwann an seinem Grab geschworen: Ich werde weiter machen und lebe für uns beide.

Und so lebt auch dieser junge Mann in mir weiter, denn Tote verlassen uns nicht, solange wir die Erinnerungen im Herzen tragen.